Harmonie zwischen Porzellan und Hustentee

Vokalensemble tonArt probt für großen WestfalenSlam am 19. Juli in Lippstadt

   

Zwischen manchen Menschen herrscht eine so große Harmonie, dass selbst Außenstehende sie sofort wahrnehmen. Bei sechs Menschen im Siegerland ist diese fühlbare Harmonie zur Freude aller begeisterten Fans auch noch hörbar: als Vokalensemble tonArt. 

Siegen/Lippstadt, 1. Juli 2014. Vieles ist von dem erfolgreichen  Sextett hinlänglich bekannt: Das riesige Repertoire, die Professionalität, dass die Karten für die großen Silvesterkonzerte immer sofort ausverkauft sind oder dass die bekannten Sänger fester Bestandteil des Martin-Luther-King-Konzerts im Siegener Apollotheater sind. Manches ist weniger bekannt: zum Beispiel, dass tonArt beim großen WestfalenSlam am 19. Juli in Lippstadt teilnimmt. Und wer weiß eigentlich, wo die Sängerinnen und Sänger immer proben?  

Spannendes Programm für den ChorSlam

„Ein Geheimnis ist das nicht“, schmunzelt „Bass“ Wolfgang Leipold, „das machen wir jeden Montagabend im Wohnzimmer bei uns zu Hause.“ Ehefrau Dorle Leipold (Alt) ist nämlich auch tonArtlerin. Werfen wir doch einfach einmal einen Blick durch die Tür. Als erstes sehen wir imposant-dicke Aktenordner auf dem Tisch. Sieht eher nach einer juristischen Sitzung aus. Aber nein, die Ordner stecken voller Musik in Form von Noten und Texten. Für den WestfalenSlam, bei dem sich neben anderen Wettbewerbsdisziplinen auch Chöre der Publikumsgunst stellen, hat Leipold daraus ein abwechslungsreiches Programm gestrickt.

Selbst mit Husten geht’s in die Probe

Ensemblesängerin Dorle Jaschke (Alt) ist gerade im Urlaub, aber Chorleiter Andreas Müller (Tenor) und Damaris Bottenberg (Sopran) haben sich bereits zur Slam-Probe eingefunden und plaudern mit Blick in den Garten über die ausgewählten Stücke. Christiane Wenmakers hört man ebenfalls schon aus der Küche. Aber nicht ihren wunderbaren hohen Sopran, sondern ein ziemlich heftiges und ganz und gar misstönendes Husten. Sie kommt mit einer dampfenden Teetasse dazu und nickt etwas kläglich auf die Frage „Ist es so schlimm, wie es sich anhört?“ Aber komischerweise weiß hier auch ein Husten, was zum guten Ton gehört, und verzieht sich fast völlig, als Müller mit einem leisen „Mmmmmm“ seine Kollegen einsummt. Ab da vergisst man sofort, dass man in einem gemütlich-stilvollen Wohnzimmer zwischen Familienfotos, Bücher- und Porzellanregalen sitzt und nicht in einem Konzertsaal. Mit „ihrem Klassiker“ Billy Joel singen sie sich ein, zitieren danach witzig die Wise Guys, lassen „I’m a train“ durchs Zimmer zockeln. Hier und da bedeutet Müller den Kollegen etwas mehr Volumen zu geben oder stärker zu akzentuieren, aber es genügen Blicke und Gesten als Hinweis.

Charmantes Sextett verabschiedet sich im Januar

„Puh, nee, das ist eindeutig eine Terz zu hoch“, wirft Damaris Bottenberg zwischendurch ein. Kurzes Ausloten, einstimmiges Nicken und Teepause für den leidenden Sopran, dann geht es weiter. Mitreißend, souverän und von charmanter Leichtigkeit. So pointiert arrangiert hat Grönemeyer seinen Parkplatzsuche-Mambo selbst noch nicht gehört, und bei „Probier’s mal mit ‘nem Bass“ können die Sänger selbst ihr Schmunzeln nicht verbergen.

Wenn das nur die Probe war, wie fulminant wird dann erst der Auftritt beim WestfalenSlam, denkt man und könnte sich fröhlich verabschieden. Aber da gibt es noch etwas, was noch nicht bekannt ist von tonArt, und was jetzt so allmählich die Runde macht. Ganz tapfer sein, liebe Fans: tonArt wird verklingen. Mit dem Sieg von Chorleiter Müller bei der Stichwahl zum Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein schließt tonArt seine dicken Ordner voller Noten und Texte „nach fast exakt zwölf Jahren“, sagt Leipold. Die Zeit reiche Müller nun einfach nicht mehr für das Hobby. Wer nicht bis zum Abschiedskonzert im Januar warten möchte, merkt sich den WestfalenSlam vor. www.westfalenslam.de   3.881 Zeichen

Bildunterschrift:

tonArt beweist im Probenraum „Wohnzimmer“ Konzertqualität. V. l.: Wolfgang Leipold, Andreas Müller, Dorle Leipold, Damaris Bottenberg und Christiane Wenmakers. Nicht im Bild: Dorle Jaschke.