Von Bierkrügen, Kätzchen und Quantenphysik

Deutscher Science Slam-Meister Reinhard Remfort bringt das Publikum
zum Staunen und zum Lachen

 

Münster/Lippstadt, 28. Mai 2014. Es gibt das Klischee des laborblassen Forschers ohne jegliche Alltagstauglichkeit, der sich ohnehin nur mit seinesgleichen verständigen kann. Es gibt das Klischee vom desinteressierten Durchschnittsbürger, dem sich das physikalische Wunder in seiner Mikrowelle nie erschließen wird. Und es gibt erfreulicherweise die Science Slams mit überzeugenden chemischen Reaktionen: Alle Klischees lösen sich hier in Begeisterung auf.  

Einer, der das von der Bühne aus erlebt, ist der Deutsche Meister 2013 im Science Slam, Reinhard Remfort aus Duisburg. Auch beim großen WestfalenSlam am 19. Juli in Lippstadt möchte er Wissen hautnah und vor allem spannend vermitteln. Wenn der Physik-Doktorand der Uni Duisburg-Essen die „Epitaxie hochreiner Diamantschichten zur Untersuchung oberflächennaher NV-Störstellen erklärt“, und dabei Teletubbies aus dem Atommodell winken lässt, kommt das Publikum aus dem Staunen und dem Lachen nicht mehr heraus. Selbstironisch, rasant und witzig dekliniert er mit Hilfe von Bierkrügen und Kätzchen mal eben die Grundlagen der Quantenphysik durch.  

800 Kinder therapierten Remforts Bühnenfurcht

Wie kommt man als Wissenschaftler zu diesem Hobby, das mittlerweile ihn selbst und viele seiner ebenfalls namhaften Kollegen mit einem vollen Tourenplan ganz schön in Atem hält? „Wahrscheinlich würde mir niemand glauben, dass ich nichts schlimmer fand als Vorträge“, erzählt Remfort. „Aber als mein Kollege für eine Kinderuni-Veranstaltung ausfiel und ich die Wahl hatte, 800 Kinder sitzen zu lassen oder mich in den Audimax zu stellen und zu reden, habe ich mich überwunden.“ Das Eis brach, „und heute kann ich mich von der Bühne nicht mehr wegdenken.“  

Anerkennung ist der Lohn für Idealisten

Was die Wissenschaftler aller Fakultäten in die Öffentlichkeit zieht, ist „einfach der unglaubliche Kick, wenn das, was man im stillen Kämmerlein macht, beim Publikum ankommt“, erklärt der Physiker. „Wissenschaftler sind Idealisten, die beim Science Slam erleben können, dass ihre Begeisterung vermittelbar ist, dass ihre Arbeit geschätzt wird.“ Dem Publikum wiederum öffnet dies die Tür zu einer faszinierenden Welt. Und auch hier funktioniere der Kinderuni-Stil hervorragend, weil sich komplizierte Zusammenhänge so anschaulich präsentieren ließen.  

„Für die meisten Science Slammer ist der Wettbewerbsgedanke bei den Kurzbeiträgen kaum von Bedeutung“, sagt Remfort, „weil so ein Slam doch ohnehin für alle ein Gewinn ist.“ Wer also zu den sicheren Wissensgewinnern gehören und die Faszination der allerkleinsten Teilchen erleben möchte, sollte den von der Westfalen-Initiative veranstalteten großen WestfalenSlam am 19. Juli in Lippstadt nicht verpassen.  www.westfalenslam.de  2.851 Zeichen

 

Bildunterschrift:

Ein Foto mit Aha-Effekt für die Reinhard Remfort-Fangemeinde. Keine winkenden Teletubbies, keine Kätzchen, sondern die „richtige“ Mikrowellenplasmaquelle des Physik-Doktoranden im NanoEnergieTechnikZentrum der Uni Duisburg-Essen.

Foto: Klaudia Maleska